Jack and Jill (2011)

Nerviger Zwilling

von Severin Auer

Adam Sandler schlüpft in seiner neuen Komödie in die Doppelrolle der Zwillinge Jack und Jill. Ein banaler Klamauk mit überdrehter, nerviger Schwester und plumpen Gags beliebig zusammengewürfelt. Für Sandler-Fans ein Spass, für alle anderen eine Qual.

Das Erntedankfest steht kurz bevor und Jack erwartet seine Zwillingsschwester, die wie jedes Jahr für ein paar Tage zu Besuch kommen wird. Darüber freuen kann er sich, trotz gutem Zureden von Frau und Kindern, nicht. Jill ist eine schrille Person mit nerviger Stimme. Im Bett hinterlässt sie morgens einen riesigen Schweissabdruck, hat einen sprechenden Papagei als Haustier und nicht gerade viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen. Und das sind nur einige der Gründe, warum sie es nicht gerade einfach hat, Freunde zu finden. Jill wiederum freut sich genau darum ganz besonders auf ihren Bruder und dessen Familie. Aber diesmal hat Jill unerwartet vor, etwas länger als die vereinbarten drei Tage zu bleiben. Jack kann seinen Unmut geschickt verbergen, hat genau genommen doch ein grosses Herz für seine Schwester. So ermuntert er sie, sich bei einer Singlebörse im Internet zu registrieren, um endlich einen Mann zu finden. Niemand meldet sich. Als Jack bei der Arbeit für einen neuen Werbespot im launischen Al Pacino sein passendes Aushängeschild findet, der sogar ein Auge auf seine Schwester geworfen hat, scheint die Welt wieder in Ordnung zu sein. Nur hat da auch Jill noch ein Wörtchen mitzureden…

Wie viel Adam Sandler verträgt der Mensch? Hat sich der amerikanische Comedian in seinen letzten Komödien vornehmlich mit der Darstellung überdrehter Figuren zurückgehalten, kann er mit Jill nun endlich wieder auf den Putz hauen. Problem: Die Zwillingsschwester ist komplett überzeichnet und will einfach nicht zur restlichen, bodenständigen Truppe passen. Was bei Eddie Murphy in The Nutty Professor in seiner Umkehrung – Normalo in abgedrehter Familie – funktioniert und bei Martin Lawrence in Big Moma’s House komisch wirkt, weil die Oma ein verkleideter junger Mann ist, dessen Schauspiel Teil der Geschichte ist, fällt Jill, die auch mal mit dem Jetski im Pool ihre Runden dreht, völlig aus dem Rahmen. Die Schwächen in Sandlers Doppelrolle werden spätestens dann offensichtlich, wenn sich Jack aufgrund des Plots tatsächlich als Schwester verkleiden muss und die von Sandler gespielte „echte“ Schwester nicht mehr von der „falschen“ Schwester unterschieden werden kann, die von Sandlers Figur Jack gespielt wird.

Weitere Minuspunkte liegen in der Anordnung der Figuren und ihrer Beziehung untereinander. Katie Holmes als rücksichtsvolle Hausfrau wird zur Statistin degradiert und die beiden Kinder sind nicht mehr als dekoratives Beigemüse der glücklichen amerikanischen Familie, deren Leben die Zwillingsschwester durcheinanderbringen soll. Warum Jacks Sohn adoptiert und indischer Herkunft ist, wird nicht weiter erläutert, genauso wenig dessen Tick, sich Essen oder Tiere mit Klebeband an den Körper zu heften. Damit entlockt Sandler dem Zuschauer zwar ein Schmuzeln, zeigt aber auch, dass er seine Gags billig zusammenwürfelt und nicht im Dienste der Geschichte anwendet. Natürlich darf dann auch der obligatorische Pups- und Kackwitz nicht fehlen, gefolgt von einigen cartoonesk überzeichneten Slapstickeinlagen. Warum sich Al Pacino für eine so belanglose Rolle einspannen liess, bleibt unklar. Vielleicht hat er einen lebenslangen All-You-Can-Eat-Gutschein von Dunkin’ Donuts erhalten, für deren fiktive Kaffeesorte «Dunkacino» er im Film den Werbespot dreht. Immerhin, am Schluss der Geschichte, scheint Pacino bei der Sichtung des Spots wieder bei Sinnen. Sein Urteil: „Burn it!“

4998





Thanks!
An error occurred!


[hr]

Jack and Jill (2011)
Deutsch: Jack und Jill
Land: Deutschland
Regie: Dennis Dugan
Drehbuch: Steve Koren, Robert Smigel, Ben Zook
Darsteller: Adam Sandler, Katie Holmes, Al Pacino, Allen Covert, Dana Carvey, Regis Philbin, u.a.
Kamera: Dean Cndey
Schnitt: Tom Costain
Musik: Rupet Gregson-Williams
Laufzeit: -
Start CH: 26.01.2012
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Switzerland
Weitere Infos bei IMDB

[hr]
©Walt Disney Studios Motion Pictures Switzerland

©Walt Disney Studios Motion Pictures Switzerland[hr]

This Post Has 0 Comments

Leave A Reply





*