The Philosophers (2013)

The PhilosophersThePhilosophers_poster
Land: USA
Regie: John Huddles
Drehbuch: John Huddles
Darsteller: Sophie Lowe, Freddie Stroma, Daryl Sabara, Bonnie Wright, Maia Mitchell, Rhys Wakefield, Erin Moriarty, James D’Arcy, Katie Findlay, u.a.
Kamera: John Radel
Schnitt: William Yeh
Musik: Jonathan Davis, Nicholas O’Toole
Laufzeit: 100 Minuten
Kinostart: -
Verleih: -
Weitere Infos bei IMDB

Apokalyptisches Gedankenexperiment

von Severin Auer

Apokalypse, 20 Schüler, 1 Lehrer und 1 Bunker für zehn Personen. Regisseur und Drehbuchautor John Huddles konfrontiert seine Protagonisten und die Zuschauer mit einem spannenden Gedankenexperiment, verspielt gegen Ende aber seine Ernsthaftigkeit und verschenkt viel vom vorhandenen Potenzial.

Der Philosophielehrer Dr. Zimit (James D’Arcy) wagt mit seinen Schülern am letzten Schultag ein ungewöhnliches Gedankenexperiment. Wer in seinem Fach den Abschluss machen will, muss sitzen bleiben. Kneifen ist nicht erlaubt. Man stelle sich vor, die Apokolaypse stehe kurz bevor und eine Rettung ist nur für jene möglich, die Unterschlupf in den eigens dafür gebauten Bunkern finden. Kapazität: 10 Menschen. Dauer der Katastrophe: 1 Jahr. Dr. Zimit verteilt Zettel an seine Schüler, auf denen der Beruf und eine besondere Eigenschaft jener fiktiven Person steht, die sie fortan verkörpern sollen. Elektriker, Bauer, Dichter, Eisverkäufer, Soldat, Arzt oder Opernsängerin, um nur einige Beispiele zu nennen. Es liegt nun an den Schülern und Schülerinnen, aufgrund rationaler Überlegungen zu selektieren, das hypothetische Überleben der Menschheit zu sichern und dadurch einen Wiederaufbau der Zivilisation zu ermöglichen.

Zum Start des Experiments lässt Regisseur und Drehbuchautor John Huddles das Klassenzimmer verschwinden. Neuer Schauplatz sind Tempelanlagen in Jakarta. In der Ferne sind Atompilze zu sehen. Die Zeit drängt, eine Entscheidung muss gefällt werden. Den Dichter erschiesst Dr. Zimit mit einer Waffe noch bevor sich dieser fertig vorgestellt hat, schliesslich wird sich jeder Schüler bewusst sein, dass man diesen Wortakrobaten in einer solchen Lage nicht gebrauchen kann. Huddles beweist schwarzen Humor und entlockt dem Zuschauer einen ersten Lacher, bevor er sich wieder der ernsten Situation zuwendet. Erwartet man zu Beginn noch, dass sich der Film ganz und gar diesem einen Jahr widmet und sich die Philosophen an Goldings “Herr der Fliegen” anbiedern oder auf Das Experiment schielen, womöglich sogar eine Teenager-Jagd im Stile von Battle Royale aufgegleist wird, so wird bald klar, der Regisseur bleibt beim Gedankenspiel. Er wechselt immer wieder ins Schulzimmer, unterstreicht so die Fiktionalität seiner Geschichte und lässt dafür seine Schüler insgesamt dreimal zum Experiment antreten, aber immer unter neuen Vorzeichen. Langsam vermischt er die Spielfiguren mit den Charakteren der Schülerpersonen, lässt Konflikte entstehen und sie nach Lösungen suchen. Welche 10 Personen kommen in den Bunker, wenn die Ärztin ein Virus in sich trägt und der Farmer schwul ist? Immer mit der anfangs erwähnten Aufgabenstellung im Hinterkopf: Wiederaufbau der Menschheit.

Beginnt The Philosophers noch stark, so wird bereits im Mittelteil klar, mit welchen Schwächen der Film zu kämpfen hat. Einerseits wurden einige – zwar gelungene – Lacher eingebaut, doch schaden jene der aufgebauten ernsten Stimmung und häufen sich gegen Ende störend – und der Film will ja eigentlich keine Komödie sein. Andererseits beginnt er eine Beziehungskiste zu öffnen und zwischenmenschliche Konflikte aufzubauen, die in einem Klassenzimmer-Gedankenexperiment keinen Platz finden würden, aber eben zur Dramaturgie des Films beitragen sollen. So ist spätestens im dritten Teil die Logik futsch, auch zum Missfallen von Dr. Zibit, dafür erstrahlt die klare Aussage: Humanismus siegt über den Rationalismus. Natürlich will der Film überraschen, rutscht dafür aber in konventionelles, vorhersehbares Fahrwasser ab und erreicht damit genau das Gegenteil. Die Aufgabenstellung wird am Ende über den Haufen geworfen und zum Trumpfkartenziehen umgemünzt, bei dem sich nie die Schüler, bzw. ihre fiktiven Spielfiguren mit ihren Eigenschaften untereinander tangieren, sondern immer der Lehrer und seine Schüler. Das Potenzial einer knisternden Gruppenzusammenstellung wird total verschenkt. Dass dabei parallel auch noch eine unerwiderte Liebe mit im Spiel ist, die erst durch das Experiment in die Realität durchdringt, und zur Legitimierung der doch etwas speziellen Schulstunde dienen soll, lässt The Philosophers leider abflachen. Auch kann der Film – trotz engem Bunker-Szenario – zu keiner Zeit eine bedrohliche, klaustrophobische Stimmung aufbauen. Schade. Dennoch ist der Film in seinem Ansatz irgendwie erfrischend und durchaus sehenswert. Anfangs spannend, später amüsant.



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©NIFFF

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